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1. Mai in Hannover

Internationaler Aktionstag Recht auf Stadt

Wir laden euch ein, am 06.04.19 gemeinsam eine Critical Mass* zu werden. Dabei radeln wir an verschiedenen Gentrifizierungs-Hot Spots vor­bei. Anschließend wollen wir auf dem Küchen­garten zusammenkommen, miteinander essen, schnacken, Musik und Redebeiträgen lauschen. Der Stadt der steigenden Mieten, in der wenigen gehört, was alle brauchen, setzen wir unseren Zusammenhalt, unsere Vielfalt und Solidarität entgegen.
Wir wollen eine Stadt:
- in der die Häuser fürs Wohnen und nicht für den Profit gebaut werden,
- in der niemand in Notunterkünften, Heimen oder auf der Straße leben muss,
- und in der Wohnraum, Boden und Natur Allge­meingut sind

Wohnraum darf keine Ware sein!

6.4.2019, 13 Uhr, Start Christuskirche

Kiezkollektiv – Solidarisches Mieter*innen Netzwerk
Nordstadt Solidarisch
Recht auf Stadt AG IL Hannover

* Aktionsform bei der es darum geht, sich mit Fahrrädern den öffent­lichen Raum anzueignen. Laut StVO können Gruppen ab 15 Fahrrädern als Verband gelten und dürfen die Straße benutzen.

Für weitere Infos checkt:

aktionstag.mietenwahnsinn-stoppen.de

Kältetod in Hannover-Linden

Kältetod in Hannover-Linden. Nachruf auf einen Freund
Jürgen »Bauer« Niemann (1954–2019)

Von Jürgen Otte und Sprecherinnen- und Sprecherrat Die Linke Hannover, Linden-Limmer

jungewelt.de/artikel/350245

Gedenken an Jürgen »Bauer« Niemann: 7. März, 17 Uhr, Mahnwache vor der Wohnung, die ihm entrissen wurde (Kötnerholzweg/Ecke Limmerstraße), Erinnerungen an die gemeinsame Zeit und gemeinsame Kämpfe ab zirka 18 Uhr in der Fröbelstraße 5

Am 12. Februar fanden Mitarbeiter des »Freizeitheimes Linden« in Hannover hinter dem Gebäude einen leblosen Menschen. Es war unser Freund und Genosse Jürgen Niemann, den alle hier im Stadtteil seit Jahrzehnten als »Bauer« kannten – verstorben in der Kälte einer Februarnacht draußen im Freien.

Die Ärzte rätseln noch, woran er gestorben ist. Unser Obduktionsbericht lautet: Vielleicht ist Bauer an Unterkühlung gestorben, ganz sicher aber an der Kälte dieses Landes und dieser Stadt. Ein warmherziger und anpackend hilfsbereiter Mensch endet als kalter, toter Körper und wird zu einer Zahl in der Statistik der Unmenschlichkeit. Wie viele Kältetote gab es in diesem Winter in diesem Land?

Jürgen wäre in wenigen Tagen, am 7. März, 65 Jahre alt geworden. In diesem Alter beginnt für andere ein neuer Lebensabschnitt, für Jürgen endete das Leben, das sich ihm in den letzten Jahren fast nur noch von der dunklen und hässlichen Seite gezeigt hatte.

Ein Schlaganfall warf ihn vor einigen Jahren aus der Bahn, raubte ihm viel von seiner Kraft und Vitalität. Arbeitslos geworden und den Schikanen des Jobcenters ausgesetzt, engagierte er sich weiter in unseren Reihen gegen Hartz IV, Wohnungsnot und die Gentrifizierung seines Stadtteils.

Vor einigen Jahren gab es in Linden Hausbesetzungen für selbstbestimmtes Wohnen und für ein soziales Zentrum. Bauer begrüßte und unterstützte das vehement. »So muss man das machen, wie früher!« »Nur parlamentarische Initiativen, das reicht nicht aus!« Kämpfe um soziale Veränderungen selbst organisieren – das war sein Ding; von der Basis her aktiv werden – das war sein Motto. Das erinnerte ihn an Zeiten, als das UJZ Kornstraße und die Glocksee (Unabhängige Jugendzentren, jW) erstritten wurden, an die Hausbesetzung in der Ricklingerstraße Anfang der achtziger Jahre und vieles mehr. Nicht ganz soweit zurück liegen die Proteste gegen die Abholzungen im Calenberger Loch, sein Engagement für den Erhalt der Stadtbücherei im Freizeitheim Linden, für das Fössebad und gegen die ihm besonders verhassten Hochbahnsteige auf der Limmerstraße. Politik war für Bauer immer konkrete Praxis, nie nur Programm, Ideologie, Papierkram.

An seinem Geburtstag vor zwei Jahren, am 7. März 2017, stand Bauer plötzlich selbst im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen hier in Linden. Widerrechtlich wurden er und ein Mitbewohner aus ihren winzigen Zimmern am Kötnerholzweg gezwungen. Eine von jährlich zirka 400 Zwangsräumungen in dieser Stadt. Es war der dritte Anlauf für diesen Gewaltakt. Von Solidaritätsbekundungen begleitet, hatten in den Wochen zuvor die ersten beiden Versuche, ihm sein Zuhause zu rauben, juristisch abgewendet werden können. Im dritten Versuch wurden dann zu nächtlicher Stunde 200 Polizisten aufgeboten, um die Umgebung abzuriegeln und seine Freunde und Unterstützer abzuwehren. So wurde eine widerrechtliche, brachiale Zwangsräumung eines alten und kranken Menschen exekutiert. Bauer war Opfer einer vor kurzem beschlossenen Gesetzesänderung geworden. Untermieter sind, auch wenn sie immer ihre Miete gezahlt haben, nicht mehr geschützt, wenn der Hauptmieter kriminell und betrügerisch Mietschulden aufhäuft. Das war bei Bauer der Fall.

So produziert der Gesetzgeber Wohnungslosigkeit, im Interesse des Privateigentums, vollstreckt durch die Polizeigewalt. Unsere Aufgabe hätte es sein müssen und wird es weiter sein zu helfen, dies abzuwenden.

Bauer stand auf der Straße. Mit einem Rucksack Kleidung und einer Tasche mit dem Nötigsten kam er vorübergehend bei einem Bekannten unter.

Er hatte Solidarität erfahren, leider eine im Ergebnis erfolglose. Und wohl zu wenig Solidarität, um daraus ausreichend Kraft für die Zukunft zu schöpfen. Bauer verlor mehr und mehr seinen Lebenswillen und die Kraft, an seiner Situation Entscheidendes zu verändern. Er blieb ohne eigene Wohnung bis zu seinem Tod. Und starb in und an der Kälte dieser Stadt. Das nicht verhindert zu haben, erfüllt uns mit Wut und Trauer und beschämt uns als Freunde und Partei.

Das Recht auf eine eigene, gute und bezahlbare Wohnung muss ein einklagbares Grundrecht eines jeden Menschen werden. Bauer, du bleibst unvergessen!

Einladung zum dritten offenen MieterInnen-Treffen am 05.03.19 um 19 Uhr

Liebe Leute,

das nächste offene MieterInnen-Treffen ist am nächsten Dienstag, den 05.03.19 (und der Vorschlag ist danach immer den 1. Dienstag im Monat zu nehmen) wieder um 19.00 im Cafe Kopi in der Rehbockstr. 2 der Nordstadt. Kommt gerne vorbei.

Ein grundsätzliches Anliegen wird die Diskussion des Selbstvertändnisses unseres Treffens sein, das wir nach der Diskussion beim letzten Treffen ausformuliert haben (s. unten). Dazu können wir auch Umgang und Formen bezüglich zukünftiger Öffentlichkeitsarbeit/Ankündigungen gemeinsam diskutieren und überlegen.

Gemeinsam wollen wir aktuelle Infos und Anliegen zusammen tragen, teilen und austauschen, um den neuesten Stand zu Entwicklungen im Stadtteil, sowie allgemein zur Wohnungsproblematik zu besprechen. Beim letzten Treffen wurde als Beispiel hierzu eine neuerlich durchweg rasante Erhöhung der „Nebenkosten“ bei aktuellen Wohnungsangeboten konstatiert und Befürchtungen eines möglichen Hausverkaufes in der Lilienstrasse angesprochen mit dem Vorhaben ggf. einen bewohnerInnenorientierten, genossenschaftlichen Träger einzuschalten.

Weitere Punkte sind ein Feedback der öffentlichen Aktion „Nordstadt solidarisch“ vom 09.02.
unter dem Motto „Konsequent gegen Verdrängung“, die Neue Presse berichtete (s. dazu link) und dazu ein kurzer Film.
Dank allen für die Unterstützung.

neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Wohnungsmarkt-Hannover-Symbolisch-zugemauert-Aktion-gegen-Druck-auf-Mieter
ein kurzer Film
vimeo.com/316896312

Gemeinsam wollen wir hierdran anknüpfen und neue Ideen und Vorschläge zur Planung, Gestaltung und Durchführung von weiteren Aktionsformen zusammen tragen, ausarbeiten und entwickeln.

Mit vorfreudigen Grüßen … die Vorbereitenden

Einladung zur Veranstaltungsreihe „Stadt. Macht. Widerstand.“

Liebe Leute,

wir möchten euch gerne zu zwei kommenden Veranstaltungen einladen:

1.) Perspektiven auf Verdrängung – Strategien für eine andere Stadt

Diskussionsveranstaltung

Der zunehmende Druck auf dem Wohnungsmarkt trifft immer mehr Menschen, vor allem jedoch diejenigen, denen es auch in anderen Bereichen schwer gemacht wird: z.B. Menschen mit wenig Geld, Geflüchtete oder Menschen, die körperliche oder psychische Beeinträchtigungen erfahren.

Welche Strategien können Betroffene entwickeln, um sich gegen diese Entwicklungen zu wehren? Welche Formen von Solidarität sind möglich? Und wie kann eine Stadt aussehen, die ein gutes Leben für alle möglich macht?

In der Diskussion stellen sich verschiedene Initiativen und Menschen vor, die aktuell in Kämpfen gegen Verdrängung aktiv sind. Neben dem Austausch über kurz- und längerfristige Strategien, soll vor allem der Blick dafür geschärft werden, wie sich unterschiedliche Kämpfe solidarisch aufeinander beziehen können.

Mit dabei sind:

Kiezkollektiv//Hausgemeinschaft Ottenstraße//Mietshäusersyndikat (angefragt)//Ehemalige aus der Kampagne Ahoi//Wohnungslose Aktivist*innen//…

Donnerstag, 14. Februar, 19 Uhr

Fröbelstraße 5, Aula (Eingang vorne)

2.) Das Kiezkollektiv stellt sich vor

Kneipenabend mit Diskussion

Das Kiezkollektiv ist ein solidarischer Zusammenschluss von Menschen, die sich gegen Verdrängung im städtischen Kontext wehren.

Die Idee ist, dass Mieter*innen mit ihren Problemen nicht alleine bleiben, sondern sich gegenseitig ermutigen, beraten und sich gemeinsam Perspektiven erkämpfen.

Ein Weg dahin ist, dass Menschen anfangen sich in ihren Hausgemeinschaften zu organisieren. So haben es zum Beispiel die Mieter*innen der Fliederstraße 5 zusammengetan um drohende Entmietungen abzuwenden und gemeinsam eine Demo unter dem Motto “Unsere Wohnungen sind nicht verhandelbar” auf die Beine gestellt. Auch in der Ottenstraße und am Pfarrlandplatz haben sich widerständige Hausgemeinschaften zusammengefunden.

In den letzten Jahren ist auch der Versuch, gemeinsam Zwangsräumungen zu verhindern, zum wichtigen Aktionsfeld geworden.

Im gemütlichen Setting der selbstverwalteten Kneipe erzählen Leute aus den Hausgemeinschaften und vom Kiezkollektiv von aktuellen Kämpfen und (Miss)erfolgen.

Dabei soll es um die Frage gehen wie die Selbstorgansisation im Stadtteil zum Standortvorteil gegen kapitalistische Verwertung werden kann.

Anschließend ist regulärer Kneipenbetrieb.

26.2., 18h, Fröbelstraße 5, LKA (Eingang über den Hof)